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Intermezzo: Filmfestival in Lu, Filme gucken, Kino, Filmtalks and more….

Zum 11. Mal bin ich dabei, beim Festival des deutschen Films (FddF). Ich sitze gerade auf der überdachten Terrasse und schaue auf die Bierbänke und -tische, voll mit Leuten, jetzt um18 Uhr und trotz der Hitze. Über uns die riesigen Platanen. Die spenden Schatten, und die sehen großartig aus. Die Parkinsel in Ludwigshafen als location für das Festival im Sommer – schöner und stimmungsvoller geht es eigentlich nicht. Auch ich lasse mich immer wieder einfangen von der zauberhaften Atmosphäre. Der Rhein fließt mit ziemlich schneller Strömung an uns vorbei. Eine kleine Bucht mit Steinstrand ist zum Baden geeignet, weiter raus würde auch der Schwimmer, den ich angesprochen habe, nicht schwimmen. Vorne gut, hinten schlecht, sagt er. Dabei ist das ein kräftiger, durchtrainierter junger Mann! Immerhin gehe ich mit den Füßen ein Stück weit ins Wasser. 

Es ist nicht nur die Kulisse, die freundlich gestimmten Leute (meist kommen sie als Paar, und davon meist Freundinnen), „man kann auch Filme gucken“ wie ein Bekannter, der das Filmfestival mit dem Dürckheimer Wurstmarkt verglich, sagte. Na klar, was denn sonst! Aber es müssen einem ja auch nicht alle gefallen. 

Vorhin sah ich einen, den ich toll fand: Wir können nicht den hellen Himmel träumen.

Es geht um zwei Schwestern, die in einem Tiroler Kloster als Nonnen leben und ausharren und aushalten. Denn sie sind bereits seit etwa 10 Jahren die letzten Überlebenden von einer ca. 20 Menschen großen Nonnenschar. Das Kloster heißt Maria Steinach. Es wird in diesem Film gezeigt, wie sie ihr klösterliches Leben aufrecht erhalten, mit Beten und Arbeiten. Alles machen sie alleine, die 126 Fenster des Klosters putzt Angelika zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst. „Wir zappeln, solange wir können“. Es ist ungewiß, wie es mit ihnen weiter geht, ob das Kloster noch bleibt und auf Neuzugänge wartet, oder ob es umfunktioniert wird in …wer weiß? 

Das Berührende in diesem Film ist, dass die Schwestern in ihrer ungewissen Situation Halt finden in den Aufgaben und Pflichten, die sie ihr Leben lang ausgeführt haben. Sie läuten die Glocken, säubern die Zellen, kümmern sich um Küche, Garten und Weinkeller. Und auch Vergnügliches ist zu sehen: die abendliche Kartenrunde. Täusche ich mich, oder versuchen die frommen Schwestern sich mit Freude zu übertrumpfen? Gelegentliches Zanken gehört auch zu ihrem Alltag. 

Als Benvenuta ins Krankenhaus kommt, sieht man Angelika beim Bügeln sinnieren, ob der momentane Einfrauenalltag noch den Kriterien eines klösterlichen Lebens entspricht und mit einiger Skepsis sieht sie dem Besuch eines Obergeistlichen entgegen. 

In dem Programmheft des Festivals schreibt der Autor: Man möchte geradezu mit den beiden alten Damen ein paar Tage Urlaub von der Raserei des Alltags verbringen. 
Viele andere Filme habe ich noch gesehen, aber nur diejenigen, die ich empfehlen möchte, seien hier genannt: „Der Fall Bruckner“ mit Corinna Harfouch. „Kafkas Der Bau“ mit Axel Prahl.  „Ein idealer Ort“. „Wer bin ich“ mit Ulrich Tukur. 

Und eine besondere Erwähnung verdient der Filmessay von Rüdiger Suchsland „Von Caligari zu Hitler“. Er geht der gleichnamigen These von Siegfried Kracauer nach, dass sich im Filmschaffen der Weimarer Zeit eine düstere, unheimliche, makabre und morbide seelische Gestimmtheit der Bevölkerung zeigte, und diese vorweggenommen hat, was sich später in der politischen Realität in Szene setzte. Suchsland hat für diesen Film die Filmschätze der Weimarer Republik ausgegraben. Die kurzen Ausschnitte machen Lust auf mehr, einige der Filme  möchte man ganz sehen. „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ beispielsweise, oder „Menschen am Sonntag“. 

Jetzt ist es vorbei. Bis zum nächsten Sommer auf der Parkinsel in Ludwigshafen. 

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